Termine bei der ArGe waren noch nie besonders erfolgversprechend, was meist an der Verzwicktheit der jeweiligen Situation liegt.
Wie heute. Das Mädchen, was den eigentlichen Termin mit mir (der ja unbedingt morgens sein sollte! Nichts gegen Langschläfer, ich zähle mich selbst zu den so genannten Eulen. Aber verlangt jemand morgens einen Termin und liegt dieser außerdem noch in meiner Kernarbeitszeit, dann verschlafe ich diesen nicht, sondern nehme ihn wahr, selbst wenn es sich für mich nicht um einen dringenden Termin handelt.) verschlafen hatte, lebt irgendwie alleine in einer Wohnung, die ihr Vater irgendwie angemietet hat – mal hat sie drei Zimmer, mal nur eines – aber welcher diese Wohnung nun nicht mehr bezahlt. Wie lange der Vermieter schon kein Geld mehr gesehen hat, ist mir unklar und ist dem Mädchen selber wahrscheinlich auch unklar. Der Vater zahlt, wie es so in das entstandene Bild passt, auch keinerlei Unterhalt mehr. Die Sache gestaltet sich noch komplizierter: Für den Unterhalt der Schwester gibt es einen Titel. Aus diversen, nebulösen Gründen gibt es diesen Titel nicht für besagtes Mädchen.
Fakt ist jedoch, unser Mädchen macht eine Einstiegsqualifizierung, die anscheinend sehr gut läuft, welche aber keine großartige Vergütung mit sich bringt. Und aufgrund der Mietrückstände schmeißt der Vermieter sie nun raus. “Ab Montag bist du draußen!” Das nimmt manche 19-Jährige wirklich als Drohung. Auch ein Grund für Obdachlosigkeit des ein oder anderen. Nun gilt es irgendeine Lösung zu finden. So verworren, wie hier beschrieben, sieht die Sache aus.
Die ArGe zahlt keine Vorschüsse, die Agentur für Arbeit auch nicht. Die Bank bestimmt auch nicht. Einerseits schade, dass ein junger Mensch, der durch die Einstiegsqualifizierung die Möglichkeit auf eine Ausbildung hat, diese nun vielleicht verliert. Andererseits auch Verständlich, dass es keine Bundesmitleidschafts-Agentur gibt, wo jeder, der in Not ist, vorsprechen kann, und dann eine kleine finanzielle – vielleicht sogar ja auch emotionale!!! – Zuwendung erhält. Ich wäre dort nämlich auch Kunde, man hat ja schließlich eine Menge unerfüllter Wünsche. Schockierend ist nur, dass jeder seinen Sektor sichert und ein Mensch durch das Netz fallen kann. Wenn’s nicht ArGe ist, nicht Agentur für Arbeit, nicht das Jugendamt, nicht die Familienkasse… wer denn dann?
Morgen müssen wir andere soziale Träger mit ins Boot holen. Und wer den Begriff Case-Management schon mal gehört hat, aber konkret nie wusste, worum es da geht: Das ist es. Strippen ziehen, bis ein so starkes Netz entsteht, durch das niemand mehr fallen kann.
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